Einblicke in die Druckbranche

Digitalisierung und Print 4.0

“Print 4.0” - Was ist das und was bedeutet es für Unternehmen der Druckindustrie?

Was genau bedeutet Print 4.0?

Denjenigen, die in der Druckindustrie arbeiten, ist das Schlagwort Print 4.0 seit geraumer Zeit geläufig. Aber was versteht man darunter und was bedeutet es für die Unternehmen?

Print 4.0 ist sprichwörtlich die vierte industrielle Revolution bezogen auf die Druckindustrie: Die grundlegende Automatisierung, auch als Print 3.0 bezeichnet, wurde hin zu einem vollständig miteinander verknüpften System weiterentwickelt.

Doch Print 4.0 ist noch mehr als das. Es ist eine Vision für den Druck im „intelligenten Zeitalter“.

Nahtlose Integration

Print 4.0 basiert auf der Annahme – die schnell zur Realität wird –, dass die Herstellungs- und Lieferprozesse innerhalb und außerhalb eines Unternehmens kombiniert werden können.

Der Schlüssel dazu ist das Internet der Dinge, das es ermöglicht, alle internetfähigen Komponenten in ein weltweites Netzwerk zu integrieren.

Angewendet auf die Druckindustrie ermöglicht es den Druckern, ohne menschliches Eingreifen innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens zu kommunizieren.

Auf einfachster Ebene bedeutet das, dass ein Drucker, dessen Druckfarbe zur Neige geht, entsprechenden Nachschub beim Lieferanten bestellt. Was es jedoch darüber hinaus bedeutet, das wird die ganze Branche verändern.

Beim Print 4.0 soll diese nahtlose Integration für alle Prozesse entlang der gesamten Druckkette gelten, von der Kundenbestellung über die Full-Service-Bearbeitung und -Lieferung.

Das schließt auch die Akquise, die Beschaffungsprozesse und Verwaltungsaufgaben, das Warenmanagement, die Kundenbetreuung usw. ein.

printing industry 4.0

Vernetzung und Verfügbarkeit

Print 4.0 wird die Effizienz erhöhen, und zwar nicht mittels Beschleunigung der Druckvorgänge, sondern durch ein höheres Maß an Vernetzung und Verfügbarkeit.

Computergesteuerte Produktionsanlagen werden nicht nur miteinander kommunizieren können, sondern auch Tools zur Datenanalyse integrieren können.

Im Ergebnis sollen Netzwerke von Maschinen entstehen, die aus Big Data und anderen intelligenten Programmen lernen können, um sich selbst zu verbessern und Prozesse eigenständig auszuführen.

Alltagsrealität

In vielerlei Hinsicht ist Print 4.0 bereits da – der Prozess ist eher eine Evolution als eine Revolution.

Es gibt seit Langem einen schrittweisen Prozess der Verschmelzung von analoger Produktion und IT. Die ersten Schritte waren automatisierte Arbeitsabläufe der Druckvorstufe, wie z. B. die computerbasierte Produktion von Druckplatten.

Ein weiterer Schritt in diesem Prozess war die Verknüpfung mit Berechnungssystemen, die mittlerweile zu Managementinformationssystemen herangereift sind.

Einige zukunftsorientierte Unternehmen, insbesondere Online-Druckereien, befinden sich bereits in der nächsten Phase. Im industriellen Maßstab ermöglichen das Push-to-Stop-Konzept von Heidelberg und AutoRun von Koenig & Bauer schon eine nahezu autonome Druckproduktion.

Diese intelligente Technologie wird jedoch derzeit nur für unternehmenseigene Produkte und Prozesse eingesetzt. Der nächste Schritt ist die zweiseitig ausgerichtete externe Kommunikation, die zu Kunden und Lieferanten verlinkt.

Dies bedeutet, starre Wertschöpfungs- und Lieferketten in ein dynamisches, flexibles Netzwerk umzuwandeln.

Print 4.0 – die Zukunft

Die Integration von Zulieferern sollte relativ einfach sein.

Die Papierlogistik beim Print 4.0 würde beispielsweise umfassen: ein automatisiertes Managementinformationssystem, das Papiervorräte ein- und ausbucht, sowie Sensoren, die Lagerbestände erkennen und Bestellprozesse selbstständig auslösen.

All dies würde dynamisch in einen nahtlosen Prozess zwischen Papierlieferant und Druckerei integriert. Roboter würden auch eine Rolle bei der Druckvorstufe, beim Drucken und beim Materialtransport spielen. Eine Druckhalle ohne Personal ist jedoch unvorstellbar.

Die Kundenintegration ist in vielerlei Hinsicht schwieriger. Kunden wollen nicht unbedingt in neue Hardware oder Software investieren müssen. Stattdessen müssen die Unternehmen Wege finden, wie sie ihre Kunden mit intelligenten Services ausstatten können, welche den Bestellprozess von Druckprodukten vereinfachen.

Führend sind hier bereits Online-Anbieter. Sie erleichtern es ihren Kunden nicht nur, Druckprodukte zu bestellen, sondern sie bieten auch einen maßgeschneiderten Service an. Das verstärkt den Trend zu kleineren Auflagen und kürzeren Fristen. Mehrere Studien konnten inzwischen nachweisen, dass rund 75 % aller 4C-Aufträge weniger als 5.000 Druckexemplare umfassen.

Das nächste Schlagwort, das die Druckindustrie also hören wird – oder bereits hört –, ist Mass-Customization. Dies ist das Thema für einen weiteren Beitrag in dieser neuen Reihe von Sappi und einen weiteren Blogeintrag.

Dies könnte Sie auch interessieren